MERCIFUL NUNS – Black Halo

Ein Interview mit Jawa Seth von Karin Hoog

Mit der BLACK HALO EP hinterlassen uns MERCIFUL NUNS ein unerwartetes und willkommenes Abschiedsgeschenk. Wie es dazu kam und was es mit dem poetischen Videoclip zum Titeltrack auf sich hat, lassen wir uns von Jawa Seth, Bassistin der Band, erklären.

„Anomaly X“ sollte euer letztes Album sein: Wann und weshalb habt ihr beschlossen „Black Halo“ zu veröffentlichen? Wird es ein neues Album der Merciful Nuns geben?
Jawa Seth:
Die Veröffentlichung der EP „Black Halo“ hat sich tatsächlich so ergeben. Artaud experimentierte nach der Fertigstellung von unserem letzten Album „ANOMALY“ längere Zeit mit analogen Synthesizern und dabei entstanden einige neue Songs. Nein, es wird kein Album mehr von den Merciful Nuns geben. Aber wir haben unglaublich viel Feedback bekommen, unsere Fans waren sehr positiv überrascht von dieser Veröffentlichung. Die Setlist für die letzten Live-Konzerte wurde auch angepasst: „Black Halo“ haben wir bereits in Belgien auf dem W-Fest und auf dem Dark Ascension in Fürth gespielt. Es funktionierte, der Song passt sehr gut ins gesamte Set. Das Bassspiel zu „Black Halo“ gefällt mir außerordentlich, da die Spieltechnik eine andere ist und dieser „Shuffle“ Anschlag Freude beim Spielen macht.


Es ist nicht ungewöhnlich, dass euch eure Reisen inspirieren: Wo ist das cineastisch beeindruckende Video zu „Black Halo“ entstanden?
Jawa Seth:
Das Video wurde von zwei Produktionsteams gedreht. Vadym Shapran und sein Team haben im Death Valley, USA mit zwei Schauspielern gedreht. Artaud und ich sind mit einem Team ins Umland von Berlin gefahren. Bei Lieberose existiert die größte Wüste Deutschlands. Bei Temperaturen um die 40 Grad ist so ein Drehtag harte Arbeit. Wir wollten z.B. die Screens von den Liveshows unbedingt in der Wüste aufstellen und abfilmen. Beide Sets haben sich unglaublich gut zusammengefügt, wir wollten eine Geschichte zwischen den beiden Protagonisten erzählen und weniger die Band im Vordergrund haben. Die ein oder andere Requisite war bereits in anderen Videos von den Merciful Nuns zu sehen. Wenn es passt, greifen wir darauf zurück. Artaud und ich sind gelangweilt von Musikvideos mit Aufnahmen, die ausschließlich Bandmitglieder und ihre Instrumente zeigen. Wir versuchen es vorzugsweise mit einer Geschichte, die inhaltlich zum Song passt.

Wer hatte die Idee zum Video?
Jawa Seth
: Wir beide setzen uns zusammen und sammeln Ideen. Da Artaud die Videos schneidet, weiß er vorab, was gut zusammenpasst und was nicht. Die Wahl der Orte, die Requisiten aber auch die Tag oder Nachtzeit werden dann besprochen. Ich mag es sehr, kreativ zu überlegen, wie man einen neuen Song filmisch umsetzen kann. Auch die Improvisation während eines Drehs ist wichtig und überrascht doch immer wieder, wenn man mit dem Endergebnis zufrieden ist. Viele unserer Videos werden live während unserer Konzerte gezeigt und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Show. Unser Anspruch ist dementsprechend hoch. Für „Black Halo“ hatten wir nicht viel Zeit, da sind wir relativ schnell auf eine Wüstenlandschaft gekommen.

Woher stammen die Requisiten, wie z.B. der ausrangierte Bus?
Jawa Seth:
Der ausrangierte Tourbus stand im Death Valley rum. Das war reiner Zufall. Wir haben ihn dann mit unserem Bandlogo verschönert. Viele Requisiten haben wir zufällig vor Ort gefunden.

Und wer hat – abgesehen von euch – mitgespielt?
Jawa Seth:
Zwei Schauspieler… Aszad, ein kaukasischer Schauspieler und Isabella, ein Model aus San Franscisco.

Die Bilder spiegeln den Text sehr schön wider. Könnt ihr bitte etwas näher auf diesen Gleichklang eingehen? Wovon handelt „Black Halo“?
Jawa Seth:
Black Halo ist ein kosmischer Schutzschirm für Galaxien. Ähnlich unserer Erdatmosphäre, die uns vor kosmischen Strahlungen schützt, schirmt dieser unsichtbare Halo unsere Galaxie ab. Im textlichen Kontext beschützt dieser Halo vor der Trauer eines schmerzlichen Verlustes, was zur Apathie führt. Die offensichtliche Distanz des Paares wird von beiden Protagonisten gut rübergebracht. Allerdings stehen einige offene Fragen im Raum und werden auch am Ende des Videos nicht beantwortet. Das gefällt mir persönlich. Nicht nur die Musik, auch die Bilder dazu sollten Raum für eigene Interpretationen und Gedanken lassen. Wir versuchen bewusst, gewisse Dinge nur ansatzweise oder als Anspielung zu zeigen.

Kannst du/ könnt ihr bitte etwas mehr über die Entstehungsgeschichte erzählen?
Jawa Seth:
Wir wollten schon immer mal ein Video in einer Wüste drehen. Wir waren vor einiger Zeit mal in einer Salzwüste in Tunesien, da kam uns die Idee. Es hat aber dann tatsächlich noch Jahre gedauert bis wir dieses Vorhaben auch umsetzen konnten.

Und wovon handeln die anderen Songs? Welcher Stellenwert kommt ihnen zu?
Jawa Seth:
Die sind genauso wichtig wie BLACK HALO. DISORDER ist ausschließlich mit analogen Instrumenten aus den früher 80ern geschrieben und aufgenommen worden. Artaud hat ein ganzes Arsenal an Synth aus der Dekade im Studio stehen und hat viel mit denen ausprobiert. Man ist mit diesen analogen Instrumenten eher Techniker als Musiker, so kam es mir manchmal vor;-) Es ist ein langer Weg mit diesen alten Instrumenten einen Sound zu erstellen. Zudem sind die Sounds oft nicht speicherbar. Hat man einen passenden Sound gefunden, muss man ihn sofort aufnehmen, da eher später nicht mehr reproduzierbar ist.
THE ALIENIST handelt von einem Psychopathen, der mehrere Frauen mit einem Messer getötet hatte, indem er ihnen seinen Namen in das Herz geritzt hatte. Ein Interview mit ihm war der Auslöser für den Song, welches man auch ausschnittsweise im Song hören kann. Sehr beklemmend das Ganze.

Warum habt ihr „Black Halo” als Titel für die EP gewählt?
Jawa Seth:
Er war der Haupttitel, die Single. Das lag nahe.

Abschlusskommentar für die Leser*innen?
Jawa Seth:
Die Jahre mit Merciful Nuns waren intensiv, aufregend, spannend und hinterlassen nachdrücklich ein berauschendes Gefühl bei mir. Wir haben eine unglaublich treue Fanbase, dafür sind wir sehr dankbar.


„Every start is an end, each arrival a departure”.

1 Comment

  1. Ich kann’s immer noch nichts fassen, das die Ära Merciful Nuns zu Ende sein soll. Ich bin dankbar, das ich beim Autumn Moon dabei sein durfte und ein letztes Mal mit der Nunhood zelebrieren konnte. Black HALO ist eine wunderbare letzte EP – sie geht unter die Haut. Ich freue mich über ein neues Interview von Jawa. Jede Zeile gewährt einen weiteren Einblick. Danke für eine gute Zeit. Beste Grüße aus Hamburg

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